Prigoschin ließ es sich nicht nehmen, erneut in den Angriffsmodus zu schalten: Er erklärte, dass die "hocheffiziente Kommandostruktur" der Wagner-Gruppe durch die Unterstellung unter Schoigu Schaden nehmen würde. Mit anderen Worten, der Söldnerboss macht erneut deutlich, dass er kein Vertrauen in die russische Militärführung unter Kriegsminister Schoigu hat! In den letzten Monaten kam es zu einer langwierigen Auseinandersetzung zwischen den russischen Warlords und dem Verteidigungsministerium, die sich zuletzt verschärft hat.
Prigoschin hatte Schoigu unter anderem als "stinkenden Bastard" beleidigt. Der radikale Russe gibt Schoigu die Schuld am militärischen Versagen Russlands in der Ukraine. Er wirft der regulären russischen Armee vor, eine Straße zu verminen, um den Abzug der "Wagner"-Kämpfer aus Bachmut zu verhindern. Dann kam es zu einem schwerwiegenden Vorfall: Prigoschins Kämpfer nahmen einen russischen Offizier gefangen, angeblich weil er auf die "Wagner"-Söldner geschossen hatte. Die Söldner misshandelten den Offizier und verhörten ihn vor laufender Kamera. In Russland wird vermutet, dass Prigoschin nicht alleine gegen Schoigu kämpft, sondern mächtige Unterstützer im russischen Regierungs- und Geheimdienstapparat hat.
"Ich glaube, dass Leute aus Putins innerem Kreis hinter ihm stehen - daran besteht kein Zweifel", sagte Igor Girkin, ein ehemaliger Offizier des FSB-Geheimdienstes und russischer Ultranationalist. Der im Exil lebende Oppositionelle Michail Chodorkowski (59) hält es sogar für möglich, dass es zu einem Aufstand kommen könnte. Wenn Putin seinen Schergen nicht genug Freiheit gewähre, könnten sie gegen das Regime rebellieren.