Stolze elf Oscar-Nominierungen hat der "Joker" mit Joaquin Phoenix (45, "Walk the Line") in der Hauptrolle als psychotischer Killer-Clown erhalten. Damit hat der Film von Regisseur Todd Phillips (49, "Hangover") bei der Verleihung am 9. Februar in Los Angeles die größten Chancen auf den Gewinn eines der begehrten Goldjungen. Der Blockbuster ist allerdings umstritten. Autor und Regisseur Oskar Roehler (60, "Elementarteilchen"), der selbst schon einige Aufreger produziert hat, erklärt, worin sein Skandalpotenzial liegt.
Ein Sinnbild für den Skandal in diesem Film sei seiner Meinung nach die Szene, in der der Joker inmitten eines Lynchmobs feiernd auf dem Autodach tanzt: "Man heroisiert einen Verbrecher, einen komplett wahnsinnigen Mörder", erklärt Roehler zu dieser Kontroverse. Die Macher seien aber clever genug, die Szene so als Schluss nicht stehen zu lassen, fügt der Filmemacher hinzu.
"Was als eigentliches Ende des Films gelten könnte, gilt dann plötzlich nicht mehr", fährt Roehler fort. Die Amerikaner seien "eben geschickt genug, einen Film erst politisch aufzubauen und dann vollständig zu entpolitisieren" und dem Ganzen mit "Joker" noch dazu ein salonfähiges Label zu verleihen. "Joker beschreibt also eigentlich den klassischen Glücksfall des amerikanischen Kinos", sagt Roehler.