Ja. Denn der "Polizeiruf 110" überzeugt durch großartige Schauspieler, einer emotionalen Thematik und einer Spannung, die bis zum Schluss anhält. Die Kommissare begeben sich auf eine Jagd, dessen Ende niemand vorhersehen kann. Daneben steht vor allem das Zwischenmenschliche im Vordergrund - sowohl bei den Ermittlern als auch bei den anderen Protagonisten. Während König von den Dämonen der Vergangenheit eingeholt wird, ist Jon auf der verzweifelten Suche nach seinem Vater.
Ein wunderbarer Kontrast zu den hochemotionalen Momenten sind die gewohnt direkten und schnörkellosen Dialoge des Ermittlerteams, die den Zuschauer durschnaufen lassen: "Zeitarbeit ist moderne Sklavenhalterei." - "Ach, der sah eigentlich ganz nett aus." Für Augenrollen sorgen hingegen Sätze wie: "Geld ist besser als Sex" - etwas zu klischeehaft, wenn es von einem erfolgreichen Geschäftsmann gesagt wird.
Besonders hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Tilman Strauß, der den "manisch aggressiven" Michael Norden verkörpert. Der Unternehmer, der scheinbar nur vom Geld angetrieben wird, gerät in einen unkontrollierbaren, fast psychotischen Zustand. Die Einsamkeit und die Verzweiflung der Figur kauft man Strauß hundertprozentig ab. Man weiß nie, was er als nächstes tut - dieser Umstand hält die Spannung hoch. Auch deshalb ist der "Polizeiruf 110: Söhne Rostocks" absolut zu empfehlen. Nicht enttäuscht werden auch die Fans der Bukow-König-Beziehung, denn es gibt wieder einige kleine, feine und rührende Szenen.