Corona-Streit in Deutschland eskaliert - Sollen Infizierte tatsächlich weiter arbeiten gehen?

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News (1 / 1) 15.11.2022 17:04 Symbolbild imago


Gehen Infizierte bald arbeiten? Was ist mit dem Schutz der anderen? Allem Anschein nach werden die ersten Bundesländer jetzt die generelle Isolationspflicht für positiv auf Corona getestete Personen aufheben! In den Bundesländern Bayern, Hessen, Schleswig-Holstein und Baden-Württemberg sollen schon bald die entsprechenden Regeln in Kraft treten, die die Isolationspflicht aufheben. Dann müssten sich nicht mehr alle positiv auf Corona getesteten Menschen zwingend isolieren und könnten dann auch wieder arbeiten gehen. Die Situation könnte schnell eskalieren - hier die aktuelle Lage:

Streit um die Isolationspflicht

Allerdings gehen die Meinungen bei diesem Thema weit auseinander. Es zieht sich geradezu eine Spaltung durch Deutschland. Einige Experten sprechen sich für die Lockerungen aus, während andere offen dagegen sind. Einer der Befürworter ist der Virologe Klaus Stöhr: “Eine Aufhebung der Isolationspflicht ist längst überfällig“, argumentiert Stöhr und bezeichnet die Pflicht sich zu isolieren als irrational, unverhältnismäßig und unangebracht. “Heute muss man mit Corona genauso umgehen, wie mit den mehr als 200 anderen Atemwegserkrankungen in Deutschland. Für die Grippe gibt es ja auch keine Isolationspflicht“, verdeutlicht der Mediziner. Gegen die Abschaffung der Isolationspflicht spricht sich vor allem Gesundheitsminister Karl Lauterbach aus: “Diese Maßnahmen finden nicht die Billigung der Bundesregierung und kommen zur Unzeit“, erklärte Lauterbach am vergangenen Freitag. Der deutsche Gesundheitsminister befürchtet nun wieder einen Flickenteppich mit unterschiedlichen Isolationsregeln in allen Bundesländern. Der Virologe Jonas Schmidt-Chanasit aus Hamburg plädiert ebenfalls für die Aufhebung der Isolationspflicht. Die Entscheidung sei im Hinblick auf die medizinische Sicht nachvollziehbar und auch vertretbar.

Unstimmigkeiten wegen Aufhebung der Isolationspflicht

Der Präsident der Bundesärztekammer, Klaus Reinhardt, hat die Aufhebung der Isolationspflicht begrüßt. Er bezeichnete die Isolationspflicht als Maßnahme, die die Freiheit einschränke und die zum jetzigen Zeitpunkt unverhältnismäßig sei. Widerspruch zu diesem Standpunkt gab es allerdings von Gerald Gaß, dem Chef der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Er will die Lockerung wegen des Schutzes der besonders vulnerablen Gruppen ablehnen. “Man muss in diesem Zusammenhang auch an den Arbeitsschutz denken. Kranke Mitarbeiter sollten sich nicht gezwungen fühlen, trotz Symptomen zur Arbeit zu gehen“, argumentierte Gaß. Außerdem schlug Gaß vor, in diesen Fällen auch die Eigenverantwortung der Betroffenen zu berücksichtigen. Komplett gegen die Abschaffung der Isolationspflicht sprach sich die Stiftung Patientenschutz aus. Deren Vorsitzender Eugen Brysch ist sicher, dass die Isolationspflicht vor Leiden und Sterben schützt. Außerdem schütze man damit die Arbeitnehmer, dem Beschäftigungsdruck nachzugeben. Auch Brysch zieht wie Lauterbach die Gefahr eines landesweiten Flickenteppichs, die bei den Menschen für Verunsicherung sorgt. In diesem Zusammenhang verwies Brysch darauf, das Millionen von Pendlern täglich die Grenzen von Bundesländern auf dem Weg zur Arbeit überschreiten. Man darf gespannt sein, ob man sich doch noch auf einheitliche Regeln einigen kann.