Moderator Jochen Bendel ist jetzt Hundetrainer - und was für einer!

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Moderator Jochen Bendel ist jetzt Hundetrainer - und was für einer!

Stars (1 / 1) 28.12.2020 17:49 / Olga Symbolbild imago images / Future Image


"Hunde geben uns immer eine neue Chance"

Als schlagfertiger und gewitzter "Ruck Zuck"-Moderator (1992-2005) war Jochen Bendel (52, "Das Wunder der Bindung") Kult. Doch längst ist er nicht mehr nur im Unterhaltungsfach zu finden. Er ist inzwischen auch ein waschechter Hundetrainer. Wie ernst er diese Profession nimmt, wie gut er sich auskennt und wie groß seine Liebe zu den Vierbeinern ist, daran lässt er im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news nicht den geringsten Zweifel.

Was schätzen Sie am meisten an Hunden?

Jochen Bendel: Dass Hunde im "Hier und Jetzt" leben. Das bedeutet, dass sie bei allem, was sie tun, immer ganz bei sich sind. Sie leben nur in diesem einen Moment. Dadurch verfügen sie über die Fähigkeit, sich jederzeit voll und ganz auf neue Lebenssituationen einzustellen, selbst wenn Menschen ihnen wirklich schlimme Dinge angetan haben. Hunde vergessen nicht, aber sie geben uns jeden Moment eine neue Chance. Und ich schätze sehr, dass Hunde bis an ihr Lebensende bereit und offen sind, Neues zu lernen. Davon könnten wir Menschen uns öfter mal eine Scheibe abschneiden.

Sie sind mit Hunden aufgewachsen. War Hundeschule früher ein Thema? Und wann und warum haben Sie die erste Hundeschule besucht?

Bendel: Ich bin mit unseren Familienhunden in den 1970ern aufgewachsen. Da gab es noch keine Hundeschulen in dem Sinn wie heute. Die erzieherische Grundausbildung haben oft die Hundesportvereine so "nebenbei" mitgemacht. Die erste Hundeschule habe ich mit meinem Mops Gizmo vor acht Jahren besucht. Er ist ein Findelkind - der klassische Rückläufer und war schon über ein halbes Jahr alt als er zu mir kam. Er kannte nicht wirklich viel und ich dachte, es könnte nicht schaden, dem jungen Hund ein erzieherisches Grundgerüst mitzugeben. Ich selbst war dabei eher weniger motiviert. Das hat mein schlauer Mops gespürt und so hielt sich seine "Lernbereitschaft" ebenfalls in Grenzen. Bei der "Platz-Übung" in der zweiten Stunde ist er plötzlich weggetrottet und hat der Trainerin ganz cool an die Tasche mit der Ausrüstung gepinkelt. Das war's dann mit Hundeschule. Heute ist Gizmo übrigens ein begeisterter Agility-Mops, der mich oft in die Hundeschule begleitet.

Was hat sich bei der Hundeerziehung über die Jahre verändert?

Bendel: Die Hundeforschung hat in den vergangenen 30 Jahren bahnbrechende wissenschaftliche Erkenntnisse über Hunde herausgefunden. Dieses Wissen hat Hundetrainern, Psychologen und Soziobiologen geholfen, Hunde viel besser zu verstehen, zu trainieren, mit ihnen zu leben und zu arbeiten. Keine andere Spezies auf diesem Planeten als der Hund hat es in mehr als 15.000 Jahren geschafft, sich so perfekt unserem Leben anzupassen, und unser Begleiter zu werden. Selbst mit unseren biologisch nächsten Verwandten, den Primaten (Menschenaffen) ist das nicht möglich. Hund und Mensch bilden im besten Fall ein perfektes Team. Noch vor 50 Jahren mussten Hunde funktionieren. Erziehungsmethoden wurden damals oft einfach aus dem Polizei-Hundesport oder der Wach- und Schutzhund-Ausbildung übernommen. Viele Geschichten geistern seit damals leider immer noch durch die Köpfe der Menschen: das Märchen vom Alphawurf, die Dominanz oder dass bestimmte Rassen einen angeborenen Aggressionstrieb hätten.

Stubenreinheit ist ein wichtiges Thema bei der Hundeerziehung. Was hat sich da verändert?

Bendel: Vor einigen Jahren hat man den Leuten noch erzählt, wenn ihr Welpe in die Wohnung macht, müssen sie ihn mit der Schnauze in sein "Geschäft" drücken und richtig schimpfen, damit er es bleibenlässt. Ein junges Hundebaby mit vielleicht gerade mal elf Wochen macht aber nur in die Wohnung, weil wir Menschen es verpennt haben, rechtzeitig mit ihm rauszugehen. Im Übrigen kann ein Welpe den kausalen Zusammenhang zwischen "auf den Teppich gepinkelt" und "schimpfen" nach wenigen Sekunden überhaupt nicht mehr herstellen. Solche Aktionen lösen bei ihm höchstens schlimme Bindungsstörungen aus, weil er die Welt dann nicht mehr versteht. Trotzdem hält sich diese Methode immer noch wacker und wird im Internet und teilweise auch von Hundetrainern weiter gepredigt.

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