Die Weizsäckers: Glanz und Schatten einer großen Dynastie

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Die Weizsäckers: Glanz und Schatten einer großen Dynastie

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:49 / Peter Symbolbild [M] imago images/Tinkeres/Future Image


Ein Leben für die Politik

Auch die Söhne des autoritätsgläubigen Karl Hugo von Weizsäcker haben sich gemäß der Familientradition einen Namen gemacht: Viktor von Weizsäcker (1886-1957) wird ein bedeutender Medizin-Professor mit Lehrstuhl in Heidelberg; er gilt als Mitbegründer der psychosomatischen Medizin. Sein vier Jahre älterer Bruder Ernst von Weizsäcker (1882-1951) wird Marineoffizier, danach Diplomat.

Unter den Nazis steigt er im Außenministerium auf bis zum Ersten Staatssekretär. Ab 1938 bekleidet er in der Allgemeinen SS den Rang eines Brigadeführers. Wegen den Deportationen französischer Juden nach Auschwitz wird Ernst von Weizsäcker bei den Nürnberger Prozessen als Kriegsverbrecher zu fünf Jahren Haft verurteilt. Er kommt 1950 im Rahmen einer allgemeinen Amnestie vorzeitig frei.

Ein junger Rechtsanwalt hat ihn während der Nürnberger Prozesse verteidigt. Es ist sein Sohn Richard von Weizsäcker (1920-2015), der spätere Bundespräsident. Er bezeichnete das Urteil gegen seinen Vater als "historisch und moralisch ungerecht". Bevor er in der CDU Karriere als Regierender Bürgermeister von Berlin (1981-1984) und schließlich als Bundespräsident (1984-1994) macht, arbeitet er in der freien Wirtschaft und schließlich in der Geschäftsführung des Chemie- und Pharma-Unternehmens Boehringer Ingelheim.

Die Firma liefert 1967 etwa 720 Tonnen Trichlorphenolatlauge an Chemical Dow. Daraus wird das berüchtigte dioxinhaltige Entlaubungsmittel Agent Orange hergestellt, das die US-Armee beim Krieg in Vietnam einsetzt. Richard von Weizsäcker will erst Jahre später "mit großer Betroffenheit" davon erfahren haben.

Der Bruder, der nicht wollte

In der Familie der Politiker gibt es aber auch Carl Friedrich von Weizsäcker, den älteren Bruder von Richard von Weizsäcker. Er ist Physiker und hat sich während des Zweiten Weltkrieges mit der Entwicklung einer deutschen Kernwaffe beschäftigt. Nach dem Krieg wird er Philosoph mit Lehrstuhl in Hamburg und sagt 1957, er sei "nur durch göttliche Gnade" vor der Versuchung bewahrt worden, die deutsche Atombombe tatsächlich zu bauen.

Das Wissen um die apokalyptische Zerstörungskraft dieser Waffe macht ihn zum überzeugten und hochgeehrten Friedensforscher, der mehrmals den Dalai Lama (84) trifft und die Gemeinsamkeiten von Christentum und Buddhismus beschwört. 1979 lehnt Carl Friedrich von Weizsäcker eine vom SPD-Vorsitzenden Willy Brandt vorgeschlagene Kandidatur zum Bundespräsidenten ab. Das Amt übernimmt fünf Jahre später sein Bruder Richard.