Modische Symbiose: Wie viel Unisex braucht die Welt?

Seite 2 / 2

Modische Symbiose: Wie viel Unisex braucht die Welt?

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:49 / Frank Symbolbild [M] imago images / ZUMA Press


Bei Lemaire ging es eine Spur puristischer zu. Wer bei der Herbst/Winterkollektion auf eine Farbexplosion hoffte, wurde enttäuscht. Beige und unaufgeregtes Anthrazit waren die dominierenden Farben der Anzüge. Diese waren so weit geschnitten, dass auf den ersten Blick nicht zu erkennen war, ob Mann oder Frau mit steinerner Miene über den Laufsteg schlich.

View this post on Instagram

Pre-Spring 2020 fittings at rue du Temple. #lemaire

A post shared by Lemaire (@lemaire_official) on

Ein ähnliches Bild bei Balenciaga. Auch hier war Oversize en masse angesagt. Männlein wie Weiblein trugen bei der Präsentation in Paris Überlänge und so viele Schichten, dass der Lagen-Look praktisch neu definiert wurde. Schwarze Rollkragenpullover wurden von XXL-Jacken in Karo-Muster bedeckt. Dazu kombinierten die Designer Dreiviertelhosen und Stiefel in Beige.

View this post on Instagram

Fall Winter 18

A post shared by Balenciaga (@balenciaga) on

Sinn und Sinnlichkeit

Egal ob Thom Browne, AMI, Lemaire oder Balenciaga - so unterschiedlich die Modehäuser den Begriff "Unisex" auf dem Laufsteg interpretieren, so fraglich ist es, inwieweit der Haute-Couture-Style im Alltag umsetzbar ist. Wohl jede Frau hat sich schon mal den Hoodie vom Freund geschnappt oder mit einer Boyfriend-Jeans im Schaufenster geliebäugelt. Wann und ob Faltenröcke zum Standard-Sortiment der Männerabteilung gehören werden, steht jedoch noch in den Sternen.

Schön und gut, wenn die Designer dieser Welt dem Schubladendenken den Kampf angesagt haben. Besteht das Ergebnis aber darin, sich für das Zusammenstellen eines Outfits an sämtlichen Schubladen dieser Welt zu vergreifen, darf man durchaus die Frage nach Sinn und Sinnlichkeit stellen.