Katastrophal! Verheerend! Die britischen Medien überschlagen sich. Die fassungslose Empörung gilt nicht etwa neuerlichen Brexit-Eskapaden im Parlament oder des Premierministers Boris Johnson (65), sondern dem Zentrum des britischen Selbstverständnisses - dem englischen Königshaus.
Es geht um Prinz Andrew (59), der einen "Tsunami und ein Übel im Ausmaß einer Atomexplosion", ausgelöst habe, so der Königshausexperte Charlie Proctor. Der zweite Sohn von Königin Elizabeth II. (93) hatte der BBC ein Interview gegeben. Er nahm Stellung zu seiner Verwicklung im Missbrauchsskandal um den US-Millionär Jeffrey Epstein (66), der am 10. August tot in seiner Gefängniszelle aufgefunden wurde. Nach den Aussagen eines der Opfer soll auch Prinz Andrew Sex mit einer Minderjährigen gehabt haben.
Andrews beklemmender TV-AuftrittI expected a train wreck.That was a plane crashing into an oil tanker, causing a tsunami, triggering a nuclear explosion level bad.#Newsnight #PrinceAndrew
— Charlie Proctor (@MonarchyUK) November 16, 2019
In dem 60-minütigen TV-Interview stritt Andrew alle Vorwürfe ab. Es war jedoch nicht der Auftritt eines entschlossenen und gleichermaßen empörten Prinzen, der ein für alle Mal falsche Vorwürfe richtigstellte. Vielmehr erlebte das Land einen unsicheren, um Worte ringenden Mann, der stöhnte, seufzte, sich wand und in Widersprüche verstrickte. Ein Mann, der einmal mehr seinen schlechten Ruf bestätigte und ihm gerecht wurde: Prinz Peinlich.
Diesen wenig schmeichelhaften Namen hat Andrew seit langem weg. Er gilt nun mal als schwarzes Schaf der Familie, die ihn seit Jahrzehnten hinter nichtssagenden Aufgaben zwecks Vermeidung von Flurschäden versteckt. Es heißt, dass sein älterer Bruder Prinz Charles (71), der Thronfolger und nächste König von England, über die Schlagzeilen nach dem BBC-Interview vor Wut geschäumt habe und Andrew am liebsten in seine zahlreichen Golfclubs verbannen würde. Aber selbst dort wären die Windsors nicht völlig sicher vor Andrew.
Andrew hatte auch Phasen, in denen er beliebt warEs gab allerdings Zeiten, da mochten die Briten noch ihren "randy Andy" (etwa: "Geiler Andy"). Er wurde schon zu Schulzeiten bei nächtlichen Besuchen im Mädchenschlafzimmer des Internats Gordonstoun erwischt, doch er galt auch als tapferer Soldat: 1992 nahm er als Hubschrauberpilot an Bord des Flugzeugträgers "HMS Invicible" an den Kampfhandlungen des Falkland-Kriegs teil.
Später sorgten die amourösen Abenteuer des Prinzen immer wieder für Schlagzeilen in der Klatschpresse. Besonders seine Affäre mit dem Nacktmodel Koo Stark kostete Andrew und das englische Königshaus viele Sympathien. Auch die Hochzeit mit der Majorstochter Sarah Ferguson (1986) konnte sein Image nicht nachhaltig aufpolieren. Nach etlichen Skandalen ließen sie sich 1996 scheiden.
Andrew, 1986 auch zum Duke of York ernannt, pflegte nach seinem Abschied von der Royal Navy seinen Ruf als liebestoller Müßiggänger. Er spielte hauptsächlich Golf, wurde, wie übrigens alle Mitglieder der Königsfamilie, zum Ehrenoberst diverser Einheiten der britischen Streitkräfte befördert und stand von 2000 bis 2006 dem englischen Fußballverband Football Association als Präsident vor. Zudem ist er seit 2015 Kanzler der nordenglischen Universität von Huddersfield, obwohl er als junger Mann außerhalb der Streitkräfte nie eine Hochschule von innen gesehen hat.