Russland hat als Teil der Friedensverhandlungen bereits den Rückzug aus Kiew und anderen Regionen angekündigt, nun soll eine Feuerpause für Mariupol folgen. Was sich nach einer Deeskalation anhört, lässt in der Ukraine aber die Alarmglocken schrillen! Der ukrainische Geheimdienst warnt eindringlich und sagt - was Putin wirklich plant!
Die Ukraine hat eine von Russland angekündigte Feuerpause für die schwer zerstörte Hafenstadt Mariupol massiv angezweifelt. Vize-Ministerpräsidentin Iryna Wereschtschuk sprach in einem Interview mit ukrainischen Medien in der Nacht zum Donnerstag von einem weiteren Versuch russischer "Manipulation". Das russische Verteidigungsministerium hatte zuvor für Donnerstag um 10.00 Uhr (Ortszeit; 09.00 Uhr MESZ) eine Feuerpause und einen Flüchtlingskorridor angekündigt.
Moskau schlug dafür eine "direkte Beteiligung von Vertretern des UN-Hochkommissars für Flüchtlinge (UNHCR) und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK)" vor. Der Korridor zum Abtransport von Einwohnern Mariupols soll demnach über die unter russischer Kontrolle stehende Stadt Berdjansk ins 250 Kilometer entfernte Saporischschja führen.
Das russische Ministerium forderte die Regierung in Kiew auf, die "bedingungslose Einhaltung" der Feuerpause durch eine schriftliche Mitteilung an die russische Seite sowie an das UNHCR und IKRK zu bestätigen. Russland hatte bereits mehrfach entsprechende Ankündigungen gemacht. Die Evakuierungsaktionen waren jedoch meist gescheitert, wofür sich beide Seiten gegenseitig die Schuld gaben.
Der Generalstab der ukrainischen Armee erklärte am Mittwochabend im Onlinenetzwerk Facebook, dass die russischen Angriffe auf Mariupol weiter andauerten. Die Stadtverwaltung verurteilte ihrerseits einen zwangsweisen Abtransport der Mütter und des Personals aus einer Entbindungsstation in der Stadt nach Russland.
Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) wies am Donnerstagmorgen darauf hin, dass "noch immer weit mehr als 100.000 Zivilistinnen und Zivilisten" in Mariupol eingeschlossen seien – "darunter Kinder, Frauen, Männer, alte Menschen". Sie erlebten seit Wochen "einen kaum vorstellbaren Albtraum ohne Strom, ohne Wasser, ohne Heizung in einer Stadt, auf die pausenlos russische Bomben, Raketen und Granaten fallen, und die dem Erdboden gleich gemacht wird".