Dieter Wedel: Ein tiefer Fall

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Dieter Wedel: Ein tiefer Fall

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:43 / Olga Symbolbild imago/Eibner


Schwere Vorwürfe

Dieser Ruf als manischer Frauenheld wurde ihm auch zum Verhängnis. Mehrere Schauspielerinnen bezichtigten Wedel im Januar 2018 in der Titelgeschichte "Im Zwielicht" des "Zeit-Magazins" der sexuellen Belästigung und sogar der Vergewaltigung. Sofort war der Regisseur im Mittelpunkt einer öffentlichen Diskussion. Til Schweiger sagte in der ZDF-Talkshow von Markus Lanz: "Es wussten nicht alle in der Branche, dass er vergewaltigt haben soll. Man wusste aber, dass er ein Menschenquäler ist."

Der Regisseur, Drehbuchautor und Schauspieler Simon Verhoeven (47), ein Sohn der Schauspielerin Senta Berger, fand auf Facebook drastische Worte: "Fakt ist: Jeder, der in der Filmbranche eine Zeitlang gearbeitet hat, wusste von den ätzenden Geschichten über Wedel. Dass er am Set Schauspieler tyrannisiere, dass er ein eitler, egomanischer Schreihals sei, ein Arschloch."

Ich kann nur jedem empfehlen, den Artikel über den Regisseur Dieter Wedel in der aktuellen ZEIT zu lesen. Fakt ist:...

Gepostet von Simon Verhoeven am Sonntag, 28. Januar 2018

Verhoeven schrieb von seiner Scham über "die Mechanismen meiner Branche, die es diesem Sadisten und brutalen Gewalttäter erlaubt haben, jahrzehntelang Frauen zu vergewaltigen und Menschen zu quälen - geschützt durch das Schweigen der Sender, Produktionen und Filmschaffenden, die mit Wedel arbeiteten. Es wurde verharmlost, verdrängt, verschwiegen."

Er, Verhoeven, hätte sich "über jeden Aufnahmeleiter, Kameramann, Schauspieler etc. gefreut, der diesem Scheiß-Typen einfach mal eine geknallt hätte. Schade, dass damals dazu anscheinend keiner bereit war."

Später sagte Simon Verhoeven in einem Interview mit "wir", er sei "aufgewühlt" gewesen, als er "diesen sehr emotionalen, sehr spontanen Post" verfasst habe. "Ich glaube den Aussagen dieser Frauen und den Zeugenaussagen. Sie sind stimmig und belegbar. Und sie decken sich mit einem Bild, das viele in der Branche über Jahrzehnte von Wedel hatten."

Verhoeven berichtete aber auch, dass Wedel "zu anderen Frauen, anderen Schauspielern und anderen Menschen sehr charismatisch und sehr charmant sein" konnte. Auch seine Mutter Senta Berger habe Dieter Wedel als "sehr geistreichen, charmanten Gesprächspartner" beschrieben.

Er streitet alles ab

Dieter Wedel stritt alle Vorwürfe, die überwiegend juristisch verjährt sind, kategorisch ab. In einem Statement erklärte er, "dass die offenbar von mehreren Schauspielerinnen gegen ihn erhobenen Vorwürfe unzutreffend und nicht gerechtfertigt sind". Er bedauerte darin aber auch, dass er Schauspielerinnen und Schauspieler "insbesondere am Set manchmal überharter, wohl auch verletzender Kritik ausgesetzt" habe.

Und er bekam Unterstützung vor seiner Ex-Geliebten Ingrid Steeger (72), die von 1988 bis 1992 mit ihm liiert war. Sie sprach von "Rufmord" und sagte in einem Interview mit "RTL Exklusiv": "Ich verbitte mir das, dass man sagt, dass der Wedel ein Vergewaltiger war oder ist." Auch sie habe als Schauspielerin in Hotelzimmern Vorsprechen bei ihm gehabt, "er hat trotzdem nichts mit mir gemacht... Der hat's gar nicht nötig gehabt. Der hätte die Schauspielerinnen nur so aufpflücken können." Sie habe sich "in seine Intelligenz und Bildung verliebt." Das sei der wahre Dr. Wedel.

Andere wiederum glauben, der wahre Wedel liebe Hunde mehr als Menschen. Das sei schon immer so gewesen seit Drolly, dem Foxterrier seines Vaters. Danach blieb Wedel immer dem gleichen Typus treu: dem Pudel. Auf Andy folgten Buffy, Billy und Willy, die er umzärtelte. Böse Zungen behaupten sogar, dass er seine Lockenfrisur von den Pudeln übernommen habe. Doch das muss man nicht glauben.