Warum sind die Stars aus dem Osten so erfolgreich?

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Warum sind die Stars aus dem Osten so erfolgreich?

Stars (2 / 1) 28.12.2020 17:41 / Torben Symbolbild imago images/Mary Evans


Zwei herausragende Schauspieler: Jan Josef Liefers und Ulrich Mühe

Ein Solitär in dieser Erfolgsriege ist Jan Josef Liefers (55), der nicht nur mit seiner überaus populären Rolle als Professor Karl-Friedrich Boerne im Münster "Tatort" gesamtdeutschen Kultstatus genießt. Der gebürtige Dresdener, der am 9. November 1989 bei einer Kundgebung eine mutige Rede hielt und danach im "Café Espresso" von einen netten Herrn, der sich später als Geheimdienstchef Markus Wolf entpuppen sollte, zu einem Stück Pflaumenkuchen eingeladen wurde, spielte 2012 die Hauptrolle in der TV-Verfilmung der DDR-Saga "Der Turm" des Dresdener Schriftstellers Uwe Tellkamp (51).

Einer der besten, wenn nicht der beste unter den ostdeutschen Darstellern, war Ulrich Mühe. Er ist 2007 mit 54 Jahren seinem Krebsleiden erlegen, verkörpert aber wie kein anderer die Erfolgsgeschichte ostdeutscher Darsteller. Mühe war bereits vor der Wende ein Theaterstar, der am Deutschen Theater in Ostberlin eng mit dem DDR-Dramatiker und Dramaturgen Heiner Müller (1929-1995) zusammengearbeitet hatte. Einer, der vor 1989 schon mal zwischen Ost und West hin- und herwechseln und Dreharbeiten im Westen wahrnehmen durfte. Fünf Tage vor dem Mauerfall erhob er bei einer Massen-Demo auf dem Alexanderplatz seine Stimme gegen das DDR-Regime.

Nach der Wende spielt er in Hamburg, Berlin, Wien und Salzburg Theater, wird Serienstar im Fernsehen in der Rolle des Gerichtsmediziners Dr. Kolmaar in "Der letzte Zeuge" (ZDF) und brilliert in Helmut Dietls Oscar-nominierten Kinofilm "Schtonk!". 2007 wird "Das Leben der Anderen" von Florian Henckel von Donnersmarck (46) mit dem Oscar als bester fremdsprachiger Film ausgezeichnet. Mühe spielt einen Stasi-Offizier, der einen Theaterschriftsteller abhört, dann aber auf seine Art mit dem DDR-Regime abrechnet.

Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch

Warum sind ostdeutsche Schauspieler so erfolgreich? "Wir beherrschen unser Handwerk", sagt Katrin Sass im "Wir". "Wir haben Fähigkeiten, die andere womöglich nicht haben. Und wir verstehen unseren Beruf als Arbeit und weniger als Show." Dem (westdeutschen Regisseur) Wolfgang Becker (65) sei erst jetzt bewusst geworden, "dass ich mehr mit Schauspielern aus dem Osten als aus dem Westen gearbeitet habe", er hebt die "Authentizität" der Ost-Akteure hervor, die für ihr "solides Handwerk" gerühmt werden.

Ein wichtiger Punkt ist die Ausbildung an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin, die auf die von Max Reinhardt 1905 gegründete Schauspielschule zurückgeht. Der Ruf der "Ernst Busch" ist legendär, sie gilt als Deutschlands bedeutendste Ausbildungsstätte. Als eine von wenigen Institutionen aus der DDR hat sie die Wendezeit gut überstanden.

Aus der "Ernst Busch" kommen auch jene Stars, die zur Wendezeit noch Kinder oder Jugendliche waren, frische, unverbrauchte Gesichter, die mittlerweile alle zum gehobenen Establishment der gesamtdeutschen Schauspielkunst zu zählen sind: Sandra Hüller, Charly Hübner, Devid Striesow, Maria Simon, Matthias Schweighöfer, Karoline Herfurth, Ronald Zehrfeld oder Fritzi Haberlandt.