Eigentlich heißt der neue Kaiser Hiro-no-miya Naruhito. Den Namen hat sein Großvater Hirohito ausgewählt. Der Kindheitstitel "Hiro-no-miya" stammt aus dem 32. Kapitel des konfuzianistischen Buchs "Mitte und Maß" und bedeutet (im übertragenen Sinn): "weitreichender Himmel". Und der Eigenname "Naruhito" könnte man mit "Jemand der Klugheit, Klarheit, Weisheit und Verstehen durch himmlische Tugend erlangt" übersetzen. Naruhito studierte an der Gakushuin-Universität in Tokio sowie in Oxford (England) Geisteswissenschaften und schloss mit einem Master-Titel ab.
Er ist somit der erste Vollakademiker auf dem japanischen Kaiserthron. Er gilt als sanftmütiger und volksnaher Menschenfreund, der eng mit der Natur verwurzelt ist. Er setzt sich für den Gewässerschutz ein und liebt das Wandern. Politische Beobachter nehmen vom neuen Tenno Naruhito an, dass er in den meisten Angelegenheiten so aufgeschlossen denkt und handeln wird wie sein Vorgänger und Vater Akihito (85), der ihn entsprechend geprägt und im Frühjahr als Tenno abgedankt hat.
Der neue Kaiser heiratete eine BürgerlicheDoch er hat auch schon Durchsetzungskraft bewiesen: Wie sein Vater heiratete er gegen den Widerstand des Hofamtes als Kronprinz eine Bürgerliche, obendrein eine richtige Karrierefrau: Masako Owada (55) entstammt zwar einer Samurai-Familie, ihr Vater war aber bürgerlicher Richter und Diplomat. Sie studierte in Harvard (USA) und Oxford (England) Wirtschaftswissenschaften und arbeitete im japanischen Außenministerium als Diplomatin. Dass sie mit ihrer Körpergröße von 1,61 Meter ihren Mann zudem noch um ein paar Zentimeter überragt, ist den Traditionalisten ein weiterer Dorn im Auge.
Naruhito hat sich entschieden: Entweder die oder keine! Hochzeit 1993, 2001 wurde, nach einer Fehlgeburt im Jahr 1999, Prinzessin Aiko (17) geboren. Wieder kam es zu Querelen innerhalb des Hofstaates. Nach einem Gesetz über den kaiserlichen Haushalt ist es nur männlichen Erben gestattet, den Thron zu besteigen. Es folgte eine öffentliche Debatte, um auch Frauen das Amt des Kaisers zu ermöglichen. Vermutlich waren diese Diskussionen der Anlass für Depressionen, an denen Masako erkrankte. Das Hofamt umschrieb die Erkrankung mit "Anpassungsstörungen".
Naruhito verteidigte seine Frau öffentlichNaruhito nahm seine Frau öffentlich in Schutz und sagte, sie habe "mit großer Kraft versucht, sich der kaiserlichen Familie anzupassen." Doch das habe sie seiner Meinung nach völlig erschöpft. Die Debatte wurde beendet, als 2006 Prinz Hisahito (13) zur Welt kam, der Sohn von Naruhitos jüngerem Bruder Prinz Fumihito (53). Endlich hatte die Kaiserfamilie wieder einen männlichen Thronerben. Das Kind nimmt nun in der Thronfolge Rang zwei ein, nach Fumihito, dem Bruder des Tennos.
Masako ist nun Kaiserin, allerdings in der zweiten Reihe. Sie nahm gestern in einem hellen, mehrschichtigen Kimono auf ihrem kleineren "Michodai"-Thron Platz. Und sie wird neben ihrem Mann, dem Tenno, im offenen Wagen bei der Parade durch die Hauptstadt Tokio sitzen. Dieser Teil des Protokolls wurde aus Rücksicht auf die Opfer einer kürzlichen Taifun-Katastrophe auf den 10. November verschoben. Es folgt noch eine letzte, religiöse Zeremonie, bei der Naruhito seiner Sonnengöttin Amaterasu für den neuen Reis dankt und ihr Reis und Sake anbietet. Erst dann ist Naruhito endgültig in der Reihe der Kaiser von Japan angekommen.